Samstag, 8. Mai 2010

Die Strasse von Seedorf nach Isleten: Leidensgeschichte 2





DIE STRASSE Seedorf – Isleten

(aus Reminiszenzen an das Isenthal aus Anlass der Eröffnung der Güterstrasse Seedorf – Isleten, von Max Oechslin, Buchdruckerei Gamma, Altdorf 1951)

Die neuerstellte G ü t e r s t r a s s e, die Seedorf mit Isleten verbindet - und in den nächsten zwei Jahren bis Bauen weitergeführt wird - hat nun Isenthal aus seiner Weltabgeschiedenheit herausgenommen. Bereits vor fünf Jahrzehnten, als man an den Bau der Isentalerstraße ging, dachte man an eine "Verbindung über Land", indem vorgesehen war, vom untersten Kehr der Straße aus direkt durch die Gand gegen Engisort und längs dem Ufer in der Straßenlinie der heutigen Güterstraße, den Anschluss nach Seedorf zu finden. Aber einerseits fürchtete man sich schon damals vor dem Steinschlag in der Gand, dem heute durch die Erstellung der hundert Meter langen Galerie begegnet wird, und anderseits stand in jener Zeit der Dampfschiffverkehr auf dem See in vollster Blüte, so dass sich die Isentaler und kantonalen Behörden sagten, dass die Straßenverbindung zur Isleten den besten Aufschluss gebe. In der Folge zeigte sich dann aber immer deutlicher, dass man mit dieser "Sackstraße" nicht auskommen konnte, zumal während des ersten Weltkrieges 1914-1918 auch auf dem Vierwaldstättersee Verkehrseinschränkungen nötig waren, die die Isentaler wieder vermehrt "ins entlegene Tal" rücken ließen. Um 1923 wurde von Ing. Fahrner, Luzern, ein erstes generelles Projekt für eine Straßenverbindung Seedorf-Isleten-Bauen aufgestellt, zu welchem wir noch eine "forstliche Begutachtung" zu schreiben hatten, da die Strasse auch dem Aufschluss der Wälder längs dem See, des Isentals und Bauens dient.

Es schien aber über diesem Projekt kein guter Stern zu walten, denn es verschwand in einer Schublade oder Kiste; es heißt sogar "außer Landes". 1930 nahmen dann vor allem die Gemeindevertreter Isenthals, zu denen sich auch die zu Bauen gesellten, sowie Interessenten in Seedorf, die Idee eines Güterstraßeneubaues wieder auf, wobei der damalige Baudirektor Karl Gerig von Wassen wohl etwelche Zurückhaltung hielt, weil von anderer Seite auch von einer großen Durchgangsstraße, der "Linksufrigen", gesprochen wurde, welche den Aufschluss des ganzen linken Seeufers bringen und Nidwalden mit Uri direkt zu Land verbinden würde. Es darf aber wohl beachtet werden, dass selbst beim Bau einer großen Auto-Straße, die gerade auf der Strecke Engisort-Bauen drei Tunnels von mehreren Hunderten von Metern aufweist, für den internen Verkehr, vor allem der Land- und Forstwirtschaft, eine längs dem Ufer verlaufende und tunnelfreie Güterstaße direkt notwendig ist. Auch der Fußgänger wird weit lieber über eine Außenstraße schlendern als durch lange Tunnels, selbst wenn letztere künstlich belichtet sind.

Im Jahre 1937 wurde von Seiten des Kant. Kulturamtes unter Zuzug von Ing. H. Bickel, Zürich, ein Güterstraßenprojekt ausgearbeitet, welches sich eng an den Uferverlauf anschmiegt, eine Länge von 6866 m (6182 m Neubaustrecken und 648 m bereits bestehende und zu korrigierende Straßenstrecke) und eine Fahrbahnbreite von 2 m vorsah, totale Breite inkl. Bankett und Rinnen 2,6 m. Von seiten des Eidg. Volkswirtschaftsdepartementes wurde das Projekt mit einem Beitrag von 37,5 Prozent genehmigt, unterm 25. Mai 1938, und mit einem zusätzlichen Beitrag für Arbeitsbeschafftmg von 12,5 Prozent, unterm 22. Februar 1939.

Die Kantonale Volksabstimmung hatte in Verbindung mit der Genehmigung des Kredites für den Bau der Sustenstraße den Kostenvoranschlag von 690’000 Franken gutgeheißen, sowie den notwendigen Kredit für die Durchführung des Werkes. In der Folge tauchte aber wieder der Bau der großen linksufrigen Straße auf, wofür von Seiten des Eidg. Oberbauinspektorates, Bern, ein Projekt ausgearbeitet wurde, das für die Strecke auf urnerischem Gebiet vom Ingenieurbureau Carl Erni, Luzern, aufgenommen ist. Gleichzeitig tauchte auch wieder der Bau einer Güterstraße auf, weshalb das kantonale Bauamt Uri durch Ing. Bertrand Müller, Altdorf, ein neues diesbezügliches Projekt aufstellen ließ, das am 13. September 1940 vorlag und mit einem Kostenvoranschlag von 1 275 000 Franken rechnete.

Der Umstand, dass eine linksufrige Autostraße (mit einer Breite von 6 m) und eine Güterstraße gleichzeitig zum Gespräch gelangten und die Bundesbehörden sich gegen einen baldigen Bau einer großen Durchgangsstraße aussprachen, so wie sicher auch der Umstand, dass der Kanton Uri die großen Kosten einer Durchgangsstraße kaum zu tragen vermöchte, ließen das Oberbauinspektorat anhand der Pläne für eine linksufrige Autostraße durch Bauingenieur Dr. lng. Ruckli, Bern, ein Güterstraßenprojekt für die Strecke Seedorf-Bauen berechnen, allerdings unter Beibehaltung von drei Tunnels mit Längen von 344, 703 und 316 Metern. Der Kostenvoranschlag stelle sich auf 1 789 000 Franken. Nachdem die Baufrist für das Projekt von 1937/1938 verlängert, aber unbenützt verstrichen war, wurden Bau und Subventionierung der Güterstraße von Seiten des Bundes mit Beschluss vom 2. Mai 1942 auf unbestimmte Zeit verschoben, mit der Bestimmung, dass eine, neue Eingabe, unter Beachtung der sich dann ergebenden Verhältnisse und Baupreise zu erfolgen habe.

Es ist verständlich, wenn vor allem die besonders interessierten Gemeinden Isenthal und Bauen bei den kantonalen Behörden immer wieder den Bau der Güterstraße verlangten, wie sie in der Volksabstimmung von 1938 genehmigt worden war. Denn immer weniger gestattete es die Finanzlage des Kantons, eine große linksufrige Autostraße in Angriff zu nehmen, waren deren Kosten für die Strecke Flüelerstraße-Seelisberg-Buochs doch mit 39,5 Millionen Franken berechnet, wobei auf die Straßenstrecke Seedorf-Isleten-Bauen allein 12 620000 Franken entfallen. Deshalb bekam der Gedanke des Baues der Güterstraße wieder vermehrten Boden. Der Regierungsrat beauftragte das kantonale Kulturamt mit der Ausarbeitung eines neuen Projektes, wobei die Linienführung der linksufrigen Autostraße beachtet werden musste. Man dachte dabei daran, dass bei einem spätern Ausbau der Güterstraße in eine Durchgangsstraße die Arbeiten als eine Art Vorarbeit gelten und in die große Straße eingegliedert werden können.

Es wurde deshalb ein neues Projekt ausgearbeitet, das weitgehend die Linienführung einer linksufrigen Autostraße berücksichtigte, anderseits aber die langen Tunnels vollständig umging. Das Projekt von Dr. Ing. Ruckli galt als Grundlage, vor allem auch für den Bau der Galerie und der Brücken. Die Fahrbahnbreite wurde auf 3 m festgelegt, plus Bankette oder Längsschalen von je 30 cm Breite, total 3,6 m. Tunnels und Brücken erhielten eine Breite von 4 m (Fahrbahn 3,4 m). Bei allfälligen Lawinen- und Wildbachgängen sah man gepflästerte Furt vor. - Diese Güterstraße, die somit im offenen Gelände dem Trosse der linksufrigen Autostraße, in den Felspartien dagegen der Uferlinie folgt, um durchwegs das, Trasse "am Tag" zu haben, erhält nach Projekt eine Länge von 6321 Metern und rechnet mit einem Kostenvoranschlag van 2 500 000 Franken.

Dieses Projekt wurde vom kantonalen Oberforstamt, Abt. Kulturamt, anfangs April 1948 den Behörden eingereicht. Der Landrat hieß das Projekt in seiner Sitzung vom 26. April 1948 gut und beantragte der Volksabstimmung Annahme desselben, die Erteilung des zur Ausführung der Baute notwendigen Kredites von 2,5 Millionen Franken, sowie des Deckungsplanes. Das Urnervolk stimmte am 23. Mai 1948 mit 3997 Ja gegen nur 376 Nein dem Antrag z u, so dass schon am 26. Mai 1948 der Regierungsrat die Weiterleitung des Projektes an das Eidg. Volkswirtschaftsdepartement beschließen konnte, zur Erhältlichmachung des schon an das Projekt von 1937/1938 zugesicherten Beitrages. Unterm 6. Juni 1948 wurde dieser Beschluss vollzogen. Nach eingehender Prüfung des Projektes durch das Eidg. Meliorationsamt, wobei noch Chefingenieur Alfred Strüby selig wohlwollend mitwirkte, wurde die Vorlage mit Beschluss des Bundesrates unterm 30. Dezember 1948 genehmigt, wobei allerdings die subventionsberechtigte Summe auf 2 Millionen festgesetzt wurde, bei einem Beitrag von 37,5 Prozent, im Maximum 750 000 Franken.

So stand die Lage für den Bau offen.

Das erste Baulos konnte bereits im April 1949 ausgeschrieben werden für die Strecke Seehof bis Acherli, 1553 Meter. Die Vergebung erfolgte an die Firma Viktor Gasperini, Altdorf, die am 6. Juni 1949 mit den Arbeiten begann und diese Ende November abschließen konnte. Die Kosten blieben innerhalb des Voranschlages von 293 000 Franken.

Das zweite Baulos wurde den Firmen Emil Baumann, Altdorf, Los IIA, und Josef Baumann, Altdorf, Los 11B, übergeben, mit dessen Bau im März 1950 begonnen wurde, so dass Ende Oktober die Arbeiten beendigt waren. Auch hier konnte innerhalb des Kostenvoranschlages von 400’000 Franken geblieben werden für die Strecke Acherli bis Engisort mit 1229 Metern.

Es konnte unverzüglich auch das Detailprojekt des III. Bauloses ausgearbeitet werden, für die Strecke Engisort bis Isleten, d. h. für 907 m, mit dem Kostenvoranschlag von 470’000 Franken, wobei der Bau der Steinschlaggalerie durch die Gand mit 102 Metern Länge und die Felspartie im Schild besondere Kosten verursachten. Die Arbeiten wurden den Firmen Emil Baumann, Altdorf, Los IIIA (inkl. Galeriebau mit Firma Josef Baumann Muheim, Altdorf), und Viktor Gasperini, Altdorf, Los IIIB, vergeben. Mit den Arbeiten wurde bereits im November 1950 begonnen, so dass sie Ende April 1951 beendigt waren und der durchgehende Verkehr Seedorf-Isleten und ins Isenthal nun offen steht.

Die Gesamtkosten für die Strecke von Seedorf (Seehof) bis Isleten (Talbach) d. h. für 4087 m Länge, waren im generellen Projekt zu 1 427 000 Franken berechnet, laut den Detailprojekten, unter Beachtung einiger Einsparungen, mit 1 163 000 Fr. Die Kosten werden sich auf rund 1 165 000 Franken stellen.
Damit ist das Tal der Isentaler dem großen Verkehr angeschlossen worden. Das Frühjahr 1951 bedeutet für diese Bergbevölkerung eine besondere Wende. Möge sie zum Wohl des Tales sein, dem Guten den Weg öffnen, aber allem, was fremd ist, auch fürderhin keinen Eingang gewähren.
M. Oe.

Freitag, 7. Mai 2010

Die Strasse ins Isenthal: Leidensgeschichte 1




Als Bärchi-Bewohner und -Liebhaber interessiert mich die Geschichte dieses Ortes und des ganzen Isenthals. Von Bauen über die Bärchi führte ein wichtiger, aber recht mühsamer Weg ins Isenthal. Der andere Zugang von der Isleten war nicht minder anspruchsvoll.So ist es denn nicht verwunderlich, dass seit dem 19. Jahrhundert immer wieder eine Fahrtrasse von Isenthal an den See geplant und dafür gekämpft wurde. Man kann von einer eigentlichen Leidensgeschichte sprechen. Michael Walker, ehemaliger Gemeindeschreiber von Isenthal, hat im Jahre 1991 versucht, diese Leidensgeschichte mit Dokumenten aus den Gemeindeversammlungen und dem Gemeinderat aufzuarbeiten und zu beschreiben. Mich persönlich berühren diese Dokumente des Ringens einer abgelegenen Gemeinschaft um den Zugang zur Welt und ich will sie daher auf diesem Blog auch andern Interessierten zugänglich machen. Lesen Sie mit Gewinn das folgende Kapitel aus Michael Walkers Buch:


ENTWICKLUNG DER VERKEHRSWEGE IM 20. JAHRHUNDERT
(aus: Michael Walker: Isenthal im Wandel der Zeiten 1840 – 1990, Gemeinde Isenthal 1991)

Planung und Bau der Isenthalerstrasse
Im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts kamen immer mehr der Wunsch und das Bedürfnis nach einer gut zu befahrenden Strasse an die Isleten auf. Es wurden die verschiedensten Pläne in Erwägung gezogen.

Dorfgemeinden 18. April und 15. Mai 1870
Ist erkannt, es soll eine Kostenberechnung und ein Plan für eine neue Strasse durch das Tobel gemacht werden und selbes wieder der Dorfgemeinde zum Entscheid vorgelegt werden.
Als Ausschuss wird gewählt: Alois Gisler, Johann Josef Aschwanden und Ratsherr Schieli.
Ferner ist erkannt, eine Strassenbreite von 14 Schuh (4,20 m) für die Tobelstrasse in die Kostenberechnung aufzunehmen.


Dorfgemeinde 11. November 1870
Ist erkannt, neuerdings vom Schwybogen durch die Güter und Tobel in der Höhe gegen Dimmerloch oder von der alten Strasse vom Birchistutz nach unten zu führen, je eine Kostenberechnung vorzunehmen.
Der Ausschuss wird um zwei Mitglieder erweitert; dazu sind gewählt:
Josef Infanger, Wirt, und Josef Gnos.


Die Anregung zur Projektierung einer Tobelstrasse soll von den Holzern ausgegangen sein. Ihnen schwebte eine Strasse zum Reisten direkt an die Isleten vor. Nach Überlieferungen war die untere Linienführung geplant vom Schwybogen dem Bach entlang durchs Ringli-Gumplig-Guetig (heutiger Standort der ARA), dann durch den Waldeinschnitt unter der jetzigen Strasse hindurch Richtung Tobelwald zum Dimmerloch, unterhalb des heutigen Wassertrogs, und von da direkt gegen die alte Brücke an der Isleten.
Die obere Variante war geplant vom Birchistutz unterhalb Vorderbirchi in Kehren gegen das Dimmerloch und von da weiter wie Variante 1. Die Projektwahl war ein wichtiger Entscheid und wurde deshalb in geheimer Abstimmung durchgeführt, was zu jener Zeit noch eine Ausnahme war.

Dorfgemeinden 1. und 14. April 1872
Ist erkannt, wegen der Strassen-Angelegenheit am Sonntag, 14. April, eine Extra-Dorfgemeinde zu halten und in geheimer Abstimmung zu entscheiden.
Stimmfähige Einwohner 159
davon für Verwerfung mit Nein gestimmt 157
leere Stimmzettel eingelegt 1
ungültig _ 1
also total 159
Vorschlag und Kostenberechnung einer neuen Strasse durch das Tobel, untere Linie als auch obere Linie, sind für einstweilen wegerkannt und nicht angenommen.
Ferner ist aber dem Gemeinderat der Auftrag erteilt, ein Gutachten an die Dorfgemeinde zu bringen, wie weit die alte Strasse solle verbessert werden.


Im Protokoll ist über den Kostenvoranschlag und die Begründung zur einstimmigen Ablehnung des Projektes nichts enthalten. Nach Überlieferungen sollen die Gefahren von Steinschlag und Eis und die Frage der Wintersicherheit als nicht zu verantwortende Risiken die Hauptgründe dafür gewesen sein.

Dorfgemeinden 3. August 1873 und 11. November 1876

Ist erkannt, zur Wiederherstellung der verruinierten Strasse mit einem Betrag von ca. 3000 Fr. zu rechnen; dafür soll man sich um einen Holzschlag an den grösseren Bezirksrat wenden. Inzwischen soll der Weg auf Kosten vom Dorf gemacht werden, dass Lit (Leute) und Vieh fortkommen.
Auf gestellten Antrag wegen der Strasse vom Fruttkäppeli gegen Seedorf ist erkannt, die Bezirksverwaltung anzuhalten, sie für Lit und Vieh zu fahren in einen sichern Zustand zu stellen.


Nach Verwerfung des Projektes Tobelstrasse bahnten sich langsam andere Überlegungen an, da die bestehenden Strassenverhältnisse stets unbefriedigender wurden. Zuerst wollte man die Planung einer neuen Strasse durch den Kanton ausführen lassen. Auf Kantonsebene wurden die Bedürfnisse der Isenthaler aber nicht als vordringlich eingestuft. Das illustrieren folgende Protokolle:

Dorfgemeinde 11. November 1893
Präsident Josef Gisler teilte mit, dass die Projektierung einer neuen Strasse bisher unterlassen worden sei.

Dorfgemeinde 20. Mai 1894
Auf einen diesbezüglichen Antrag des Gemeinderates betreffend Aufnahme eines neuen Strassenprojektes von der Baudirektion, welchen Auftrag diese vom Regierungsrat schon im Jahre 1893 bekommen und bis dato noch nicht vollzogen hat, so wurde beschlossen, dem Regierungsrat eine Beschwerde gegen die Baudirektion von der Dorfgemeinde aus einzulegen.

Mit Schreiben vom 26. September 1894 begründete Kantonsingenieur Müller die Verzögerung: Das Blatt Isenthal war erst am 6. September von der Landestopographie in Bem erhältlich, und sämtliche vorhandenen Vermessungsinstrumente waren beim Bau der Klausenstrasse eingesetzt worden. Laut Akten wurde nun eine Kostenschätzung von 217000 Fr. aufgestellt für eine Neubauvariante Isleten - Schiltegg - Fruttkäppeli, den teilweisen Neubau Fruttkäppeli - Birchi und einen Ausbau der bisherigen Landstrasse Birchi - Dorf mit Gefällausgleich. Als weitere Variante wurde für die 1870 geplante Tobelstrasse eine Kostenberechnung von 110000 Fr. erstellt.
Diese Vorschläge entsprachen den Vorstellungen der Isenthaler nicht. Sie ergriffen die Eigeninitiative und übertrugen die Strassenprojektierung dem Ingenieurbüro Wildberger in Chur.

Dorfgemeinde 11. November 1894

Der Strassenbaukommission wurde Auftrag und Vollmacht erteilt:
Mit einem tüchtigen Ingenieur zu unterhandeln und einen Detailplan aufnehmen zu lassen.
Die Gemeinde gewährt hiefür den nötigen Kredit aus der Dorfkasse in der Meinung, dass der Kanton eine Entschädigung leiste.
Anlage, Breite und Geflille sind von der Kommission auf Grundlage näherer Studien vom Ingenieur endgültig zu entscheiden.

Dorfgemeinde 25. August 1895

Das von Ingenieur Wildberger, Chur, erstellte Strassenprojekt Isleten - Isenthal wurde mit folgender Ausnahme ohne Gegenantrag angenommen:
Wenn es sich gestatte, sei beim Kropfbach die Strasse durch eine offene Kehre zu erstellen.


Das Projekt Wildberger kam in Isenthal gut an, mit Ausnahme des Felsenkehrs am Fuss der Hohenfluh. Projektiert war die Linienführung vom späteren Restaurant Isleten zum ersten Kehr, dann gegen die Hohenfluh und oben beim Kropfbach als Felsenkehr Richtung oberste Schlaufe gegen das Käppeli-Egg. Der heutige mittlere Kehr wäre dann ausgefallen. Gegen den Kehr im Felsen wehrten sich die Holzer, denn sie befürchteten dort einen zu engen Radius für den Holztransport, vor allem im Winter, wenn er mit Schlitten erfolgte. Um diesen Wintertransport von Holz zu verstehen, muss man schon das Fuhrwerken mit Schlitten miterlebt haben!

Nach Überlieferungen stand auch eine andere Variante im Gespräch, die nicht im Protokoll enthalten ist. Sie hätte vom Felsenkehr aus direkt nach Seedorf und nicht an die Isleten geführt, denn schon zu jener Zeit muss durch den Bau der Gotthardbahn ein Marktaufschwung Richtung Altdorf stattgefunden haben. Damit wäre auch eine längere Strecke zur Kantonsstrasse geworden und so eine grössere Beteiligung des Kantons an deren Bau und Unterhalt zu erwarten gewesen. Im Hintergrund war vielleicht auch die Sägerei Bolzbach (beim heutigen Kraftwerk) daran interessiert, deren Besitzer, namens Infanger, ein ehemaliger Isenthaler war. Da aber die Isleten nach altem Brauch und Recht Umschlagplatz war, wurde die Strasse schliesslich mit drei Wendeplatten Richtung Isleten gebaut. Projektiert war die Strasse bis hinter das Dorf Isenthal bzw. bis zum sogenannten Tosenden Stein' hinter der Sägerei.

Dorfgemeinden 9. Februar und 17. Mai 1896

Die Kostenverteilung und Vorlage betreffend der neuen Strasse Isleten - Isenthal, wofür sich in mehreren Konferenzen Abgeordnete vom hohen Regierungsrat, von Korporationsrat und Gemeinderat von hier besprochen haben und die Kosten der ganzen Anlage auf 160 000 Fr. veranschlagt sind, wovon die Korporation Uri 50%, der Kanton 30% und die Gemeinde 20% zu übernehmen hat, wurde mit den dazu in der Vorlage enthaltenen Verpflichtungen angenommen.
Die Strassenbaukommission, bestehend aus: Ratsherr Josef Gisler, Korporationsrat Alois Bissig und Gemeindepräsident Johann Infanger, wurde bis nach Vollendung des Strassenbaues bestätigt.


Das Projekt Wildberger bildete dann die Grundlage für den Antrag des Regierungsrates und des Landrates an die Landsgemeinde vom 3. Mai 1896, den Bau und Unterhalt der Isenthalerstrasse betreffend, welcher kurz zusammengefasst lautete:

1. Der Kanton übernimmt den Bau der Isenthalerstrasse. Baubeginn 1899, nach Vollendung der Klausenstrasse.
2. Die bauleitende Behörde hat das Recht, die Pläne veränderten Verhältnissen anzupassen unter Festhaltung am Zweck der Strasse, besonders in bezug auf Langholztransporte.
3. Der Kanton leistet einen Beitrag von 30%; das sind 50 000 Franken.
4. Die Bauleitung des Kantons führt die Strassenbaurechnung. Die Teilhaber verpflichten sich, laufende Einzahlungen zu leisten.
5. Die Gemeinde Isenthal hat die Expropriationen durchzuführen. Die Kosten gehen zu Lasten der Baurechnung und sollen im Maximum 10000 Franken betragen.
6. Die Korporation verpflichtet sich, den Allmendboden sowie Sand und Steine gratis abzugeben.
7. Der Kanton übernimmt den Unterhalt vom Kropfbach bis zur Kirche Isenthal.

Aus der ganzen Baubotschaft sei hier nur der Abschnitt II zitiert, der die damaligen Verhältnisse aufzeigt, wovon manches z.T. heute noch zutrifft:

"In Bezug auf die Begründung dieses Antrages sprechen wir uns vor allen Dingen dahin aus, dass die Strasse Isenthal - Isleten ein wohlbegründetes Bedürfnis zu befriedigen im Stande und für die Gemeinde Isenthal sozusagen eine Lebensfrage ist. Isenthal zählt 598 Einwohner und gehört seiner Bevölkerungszahl nach bloss zu den mittleren Gemeinden des Kantons, ist aber seinem territorialen Umfang nach eine der grössten und hinsichtlich der Nutzbarkeit von Grund und Boden eine der bedeutendsten Gemeinden von Uri, wird doch der Wert der Alpen, Wälder und Liegenschaften zu mehreren Millionen geschätzt. Die Abgeschlossenheit des Tales, die äusserst geringen Verbindungsmittel nach auswärts und die Abgelegenheit vom Verkehr wirken hemmend auf die Entwicklung der Land- und Alpwirtschaft und beeinträchtigen den im Tal rege betriebenen Holzhandel immer stärker und fühlbarer. Die Produkte der Landwirtschaft besitzen nicht den Wert, der ihnen gebührte, während die eingeführten Lebensmittel ungleich höher zu stehen kommen als an anderen Orten. Unter diesen misslichen Verhältnissen darf es niemand verwundern, wenn der ökonomische Stand der Bevölkerung im Rückgang begriffen ist, die Lust und Liebe zur Bewirtschaftung von Grund und Boden zu schwinden beginnt und die Auswanderung Dimensionen annimmt, die als ungesund bezeichnet werden müssen. Kann eine Strasse diesen Missverhältnissen auch nicht gründlich abhelfen, so wird sie dieselben doch ganz erheblich mildem, der Tätigkeit, der Regsamkeit und der Schaffensfreudigkeit der Bevölkerung wirksam Hilfe leisten sowie den Produkten des Tales einen grösseren und lohnenderen Absatz sichern. Dazu wird die neue Strasse das Isental auch dem Fremdenverkehr besser und vermutlich ausgiebig erschliessen, indem seine Höhenlage, seine reine und milde Luft, seine landschaftliche Schönheit und seine Alpen und Berge sowie der weltberühmte Urirotstock zu dieser Erwartung vollkommen berechtigen. Endlich darf noch darauf verwiesen werden, dass Isenthal die einzige Gemeinde des Landes ist, welche nicht an einem grossen Verkehrswege liegt."

Über die Baugeschichte sind in der Gemeinde sehr wenige Akten vorhanden, da die Bauleitung beim kantonalen Bauamt lag. Der Bauauftrag wurde an die Arbeitsgemeinschaft der Firmen Baumann Gebr., Toneatti und Stiefenhofer vergeben. Als Bauführer des Ingenieurbüros Wildberger zeichnete H. Steinegger. Der Baubeginn fiel mit der Jahrhundertwende zusammen und erfolgte 1899/1900.

Gegenüber dem Projekt wurden noch Ergänzungen verlangt: weiterer Radius in den Kurven, ein neuer Holzplatz beim Käppeli-Egg und Änderung der Abschrankungen. Ursprünglich war vorgesehen, runde Holzlatten durch dicke Holzpfosten zu führen. Am Schluss wurde anstelle der Holzlatten ein Eisengeländer angebracht, und anstelle der eingemauerten Holzpfosten wurden Granitsteine gesetzt.
Die grössten Schwierigkeiten hatte die Baukommission mit der Nobel AG, der Besitzerin des Areals der Sprengstoffabrik, auf dem auch der Landungssteg der Dampfschiffgesellschaft Vierwaldstättersee lag. Beim Neubau der Strasse war die Firma bestrebt, alle Lasten wie Wegrechte, Sust und Landesteg aus ihrem Areal herauszuhalten, angeblich aus Sicherheitsgründen. Darum sah das Projekt den Beginn der Strasse beim Magazin (Standort des späteren Restaurant Isleten) vor und verlegte Sust und Landesteg ebenfalls dorthin. Wie Probefahrten aber ergaben, konnte die Dampfschiffgesellschaft das Anlegen am neuen Landeort bei Föhnstürmen nicht garantieren. Isenthal musste diese Variante fallen lassen und verlangte weiterhin Sust und Landesteg am alten Ort. Nach langen Verhandlungen entstand die heutige Kompromisslösung:
Landungssteg abseits der Fabrik auf halber Strecke im Vergleich zur ersten Variante. Dafür musste sich die Sprengstoffabrik am Bau und Unterhalt der verlängerten Strasse sowie an der Bachkorrektion beteiligen.

Herr Landammann und Finanzdirektor Gustav Muheim schrieb am 7. Juni 1902 an den Präsidenten der Baukommission von Isenthal:
"Ich bin froh, dass die Geschichte endlich bereinigt ist. Habe in meinem Leben viel unterhandelt, aber noch nie so lästig und unangenehm. Habe übrigens gestern im Verwaltungsrat der DGV deutlich meine Meinung gesagt."
Diese Worte sagen mehr als lange Zitate aus den Verhandlungen.

Am 5. Oktober 1901 fand eine Besichtigung der im Bau befmdlichen Strasse durch die beteiligten Behörden statt. Der Bauleitung wurde der Dank für die bisher geleistete Arbeit ausgesprochen und die Bauunternehmung mit Ergänzungsarbeiten beauftragt, so u.a. mit der Erstellung eines Kehrplatzes beim 'Tosenden Stein'.
Da sich die Isenthaler für den Stand der Baukosten interessierten, verlangte der Gemeinderat am 4. Dezember 1902 von der Baudirektion Uri eine Teilabrechnung. Am 31. Dezember 1903 wurde daraufhin dem Regierungsrat eine Abrechnung der bis zum 31. Dezember 1902 aufgelaufenen Kosten vorgelegt:


Baukosten Fr. 229 683.50
Zinsen Fr. 11 107.85

Total Fr. 240791.35
(Kostenvoranschlag Fr. 160000.-)

Die Schlussabrechnung
über den Bau der Isenthalerstrasse wurde durch Landammann und Regierungsrat am 10. August 1906 in folgender Zusammenstellung genehmigt:

Landerwerb Fr. 10 000.--
Bauarbeiten Fr. 227 782.70
Bauleitung Fr. 20 503.85
Verbindungsstrasse Isleten Fr. 5 587.65
Strassenunterhalt Fr. 6 079.60
Diverse Ausgaben Fr. 1 933. --
Nachträge Fr. 31 627.20

Total Fr. 303 514. --


Kostenteilung :
Anteil Kanton Uri Fr. 83 680. -
Anteil Korporation Uri Fr. 131 757. -
Anteil Gemeinde Isenthal Fr. 88 077. --

Total Fr. 303 514. --

Als Mehrkosten wurden begründet: verbreiterter Radius bei den Kurven, tiefere Fundationen bei lockeren Felspartien, neuer Holzplatz vor Werkhütte Käppeli, Verlängerung der Strasse an der Isleten.

Nach einer langen Planungsphase und einer Bauzeit von ungefahr zwei Jahren waren die Baugeschichte sowie auch der Kampf der Isenthaler für eine gut zu befahrende Strasse als Anschluss des Tales an und über den See abgeschlossen. Die Naturgewalten liessen aber keine Ruhe aufkommen; sie rumorten im Berg gegen den Eingriff und forderten zu weiteren Kämpfen auf.



Kampf gegen Naturgewalten

Laut Gemeinderatsprotokoll vom 11. November 1905 wurde die neue Strasse zwischen dem unteren und mittleren Kehr auf allen drei Schlaufen durch einen Erdrutsch von ca. 150 m 3 gänzlich verschüttet. Es wurde eine Besprechung mit dem Kantonsingenieur angefordert. Als Vertreter der Gemeinde waren bestimmt: Ratsherr Josef Gisler und Waisenvogt Josef Walker.

Die Anbruchstelle befand sich ob der Strasse und verlief vom 'Heidenkehli' beim mittleren Kehr aufwärts bis zur damaligen kleinen Werkhütte beim Kirschbaum. Dadurch wurden die angerissenen Felsschichten zwischen den untern Strassenteilen abgedrückt und die Strasse im Bereich aller drei Schlaufen beschädigt und mit Schutt und Fels bedeckt. Die Verhandlungen verliefen 'harzig'. Der Kanton verlangte zuerst eine Expertise über die Ursachen der Erd und Felsrutschung und deren Sanierung. Am 8. Dezember 1906 forderte der Gemeinderat die Räumung und Freigabe der Strasse bis Frühjahr 1907. Der Regierungsrat beschloss am 19. Januar 1907, die Räumung erst nach Vorliegen der Expertise vorzunehmen. Diese wurde dann am 12. März 1907 vom Eidg. Oberbauinspektorat abgeliefert und kam zu folgendem Ergebnis:
Die Rutschung erfolgte oberhalb des ersten und zweiten Kehrs und verschüttete alle drei Strassenschlaufen. Am Anschnitt der steil gegen den See auslaufenden, mit Zwischen-Mergelschichten durchsetzten Felsbänke sind bei Wasserzudrang gefährliche Gleitflächen entstanden. Es empfiehlt sich, die Anrisse mit Mauern und Felssicherungen sowie mit Verflechtungen zu sichern.

Mit Beschluss vom 23. März 1907 war der Regierungsrat bereit, diese Arbeiten dem Bauunternehmer Toneatti zu übergeben und die Kosten über ein Extra-Kontokorrent zu bezahlen. Eine Kostenteilung wurde vorbehalten und die Korporation Uri zur Beteiligung eingeladen. Am 25. März 1908 ersuchte der Gemeinderat Isenthal die Korporation erneut um eine Kostenbeteiligung. Am 2. Juni 1908 lehnte diese aber einen Kostenbeitrag entschieden ab. Bezüglich des Strassenunterhalts stützte sich der Regierungsrat auf den Landsgemeindebeschluss vom 3. Mai 1896, ab Kehr ob Kropfbach bis zur Kirche sei der Unterhalt Sache des Kantons; nach Änderung des Trassees gelte dies vom obersten Kehr an aufwärts. Am 4. April 1909 fand wieder eine Aussprache mit der Baudirektion Uri statt betreffs Unterhalt der lsenthalerstrasse und Kostenteilung nach dem Fels- und Erdrutsch von 1905. Über das Ergebnis dieser Aussprache fehlen Angaben. Einigen Aufschluss darüber gibt uns ein Schreiben der Ersparniskasse Uri an die Gemeideverwaltung lsenthal, welches lautet:
Gemäss Beschluss des Regierungsrates vom 7. März 1914 belasten wir Sie auf neuen Contocorrent No. 393 Gemeinde Isenthal - Räumungsarbeiten an der Isenthalerstrasse - mit Fr. 9 638.85 val. 31. Dezember 1913.
Der Strassenunterhalt der Strecke vom Restaurant Isleten bis zur Mitte zwischen dem ersten und zweiten Kehr sowie ab Kirche Isenthal gegen das Grosstal erfolgte nun durch die Gemeinde Isenthal, während die dazwischen liegende Strecke durch das Bauamt Uri unterhalten wurde. Nach dem Bau der Güterstrasse Isleten - Seedorf wurde der Kantonsweg Engisort - Isenthalerstrasse aufgehoben, und der Kanton übernahm dafür die ganze untere Teilstrecke der Isenthalerstrasse. Dazu passt der Spruch: 'Staatsmühlen mahlen langsam, aber sie mahlen sicher .•

Wir haben über diesen Abschnitt ausführlich berichtet, weil es heute unglaubhaft scheint, dass die Räumung und Öffnung einer Gemeinde-Erschliessungsstrasse erst nach drei Jahren erfolgte. Zum Warentransport während des Verkehrsunterbruchs von 1905 ist nachzutragen, dass die Güter zum grossen Teil mit Nauen und Booten nach Engisort geführt wurden. Dann wurden sie auf dem alten Kantonsweg zur Isenthalerstrasse hinaufgetragen und von dort weiter mit Pferdefuhrwerken ins Isental transportiert.

Am 31. März 1963, um 18.30 Uhr, ereignete sich am Käppeli-Egg bei der sogenannten 'Balm' erneut ein Felssturz und zerstörte die Isenthalerstrasse im Bereich aller vier Strassenschlaufen. Durch diese Naturkatastrophe wurde die Gemeinde mit einem Schlag wieder in Grossvaters Zeiten zurückversetzt und war erneut auf den alten Fussweg durch die Kehren an die Isleten angewiesen. Ein solcher Verkehrsunterbruch traf wirtschaftlich die ganze Bevölkerung, besonders das Gewerbe.
Am 1. April 1963 erfolgte ein erster Augenschein mit Baudirektion und Kantonsingenieur. Am 2. April fand eine gemeinsame Sitzung des Gemeinderates und des Allmendbürgerrates statt. Dabei wurden folgende dringende Begehren an die Baudirektion Uri aufgestellt:

- Sofortige Abräumung der AbbruchsteIle und Erstellen von Notbrücken bei weggerissenen Strassenstücken,
- Versetzung der Hochspannungsleitung durch das EWA aus Sicherheitsgründen während der Abräumung,
- Führung von Extrakursen durch die SGV zu Zeiten, die den Bedürfnissen der Arbeiter und Bewohner angepasst sind.

Die Seilanlage vom Holzplatz Käppeli zum Holzplatz Isleten wurde umgehend von der Gemeinde Isenthal erstellt und diente in erster Linie für Personen und Warentransporte und zur Versorgung des Tales mit Gütern für den täglichen Lebensbedarf. Sie wurde auch der Abräumungsfirma Gebr. Amold AG, Bürglen, für Materialtransporte zur Verfügung gestellt.

Einen Einblick in die Stimmung unter der Bevölkerung gibt folgende Stelle aus dem Gemeinderatsprotokoll vom 22. April 1963:


Präsident Infanger Heinrich gibt einen Überblick über die seit der letzten Sitzung unternommenen Arbeiten sowie Interventionen bei verschiedenen Instanzen und fügt bei: "Es muss leider festgestellt werden, dass es Bürger gibt, die sich zu unbeherrschten Ausdrücken hinreissen lassen. Wenn das Arbeitstempo nicht allen Wünschen entspricht, so ergibt sich das aus den naturbedingten Verhältnissen auf dieser Arbeitsstelle. Suchen wir weiterhin durch ruhige, zielbewusste Arbeit das auferlegte Los zu erleichtern!"

Das Konzept des Bauamtes Uri bestand darin, gleichzeitig mit der geordneten und sicheren Abräumung einen besseren Ausbau der Strasse vorzunehmen. Deshalb musste diese während der Felsräumung für den Verkehr gänzlich und während des Ausbaus teilweise gesperrt werden.
Demgegenüber verlangte eine Unterschriftensammlung in der Gemeinde Öffnung der Strasse und Verkehrsfreigabe ab 20. Juni 1963, mit Wiederbeginn der Arbeiten ab l. November. Der Gemeinderat konnte sich nicht auf die Seite der Initianten stellen. Bei einem Unterbruch der Arbeiten hätte die Gefahr einer 'ewigen' Baustelle bestanden. Der Allgemeinheit war mit einer laufenden Instandstellung und möglichst baldigen geordneten Verkehrsverhältnissen besser gedient, als wenn überall schnell etwas geflickt und nirgends fertige, solide Arbeiten ausgeführt worden wären.
Die Postkurse wurden am 30. September 1963 wieder offiziell aufgenommen. Damit waren die Verkehrsbehinderungen nach sechsmonatiger Dauer beseitigt, und die Gemüter beruhigten sich wieder langsam. Diese Naturkatastrophe hat einmal mehr gezeigt, wie die Bevölkerung eines Gebirgstales den Unbilden der Natur ausgesetzt ist, wirtschaftliche und gesellschaftliche Nachteile hinnehmen und mit ihnen leben muss.

Samstag, 31. Oktober 2009

Isenthal am Urnersee




Isenthal (Historisches Lexikon der Schweiz)

Polit. Gem. UR, mit Dorf an der Gabelung von Gross- und Kleintal und weit gestreuten Einzelhöfen. Vor 1280 Yseltal. Abgeschiedenes, lange nur schlecht erschlossenes Bergtal. 1698 ca. 150 Einw.; 1743 176; 1799 360; 1850 502; 1900 595; 1950 550; 2000 539. Besiedlung wohl vor der Jahrtausendwende vom See her, Dorfbildung im SpätMA, später Landesausbau auch im Gross- und Kleintal. Nebst bäuerl. Eigen gab es klösterl. Grundbesitz, u.a. von Muri und des Lazariterhauses Seedorf, evtl. des Fraumünsters Zürich. I. gehörte zur Landespfarrei Altdorf und ab 1591 zu Seedorf, von wo aus es schon früher seelsorgerisch betreut worden war. 1621 erfolgte die Abkurung. Die Kapelle St. Theodul ist 1409 belegt, die gleichnamige heutige Kirche wurde 1819-20 errichtet. Die tallüt von iseltal traten schon 1407 als Gem. hervor; 1774 wurde ein Dorfgericht samt Dorfschreiber eingesetzt. Zusammen mit Seelisberg und Bauen bildete I. die zehnte Urner Genossame und schickte einen Vertreter in den Landrat. I. verfügte noch um 1500 über viele Getreideäcker und Obstkulturen. Die Alpen und Wälder wurden gemeinsam mit Seelisberg und Bauen genutzt, die Waldwirtschaft war der wichtigste Nebenerwerb. Im 16. und 17. Jh. baute die Fam. Madran im Tal Eisen ab. Im 19. Jh. waren Seidenkämmelei und Weberei heimisch. An der Isleten liessen sich Gewerbe- und ab 1853 Industriebetriebe nieder. Vom Ende des 19. Jh. an entwickelte sich ein bescheidener Tourismus. Grundlage der weiteren Entwicklung bildete die 1900-01 erbaute Fahrstrasse nach Isleten und deren Fortführung nach Seedorf 1949-51. Die Kraftwerke I. und Kleintal wurden 1954-55 bzw. 1957 erstellt. 1984 erfolgte die Gründung einer Heimarbeiterwerkstatt. 1971 schloss sich I. dem Kreisschulverband Seedorf für die Volksschuloberstufe an. Die Korporationsbürgergemeinde konstituierte sich 1944. Seit 1946 besteht eine gesonderte Kirchensteuer, die Ausscheidung der Kirchgemeinde erfolgte jedoch erst 1996. 2000 stellte der 1. Sektor immer noch gut zwei Fünftel der Arbeitsplätze in der Gemeinde.

Literatur
– Kdm UR 2, 1986, 269-316
– H. Kleiner-Aschwanden, I., 21988
– M. Walker, I. im Wandel der Zeiten 1840-1990, 1991

Autor: Hans Stadler


Auf dem Bild sehen wir den Urnersee und am anderen Ufer das Dorf Sisikon an der Mündung des Riemenstaldentals.
Der dominante Berg ist der Fronalpstock,der über die Stoos-Bahnen vom Muotathal und von Morschach leicht zu erreichen ist.

Bärchisagen

Hexe verdirbt das Vieh
Von Bauen her kam ein fremdes, unbekanntes Weibervolk auf die Bärchi hinauf, kehrte bei Salome-Josten ein und bettelte etwas zu essen und um Obdach für die anbrechende Nacht. Das Weibervolk gefiel den Leuten nicht. Dennoch sott ihm das Salome-Nänni Milch, tat aber ein klein wenig Weihwasser hinein, brachte sie in die Stube und stellte sie vor das Weibervolk auf den Tisch, mit dem Bedeuten, es solle zulangen. Dieses schaute so kurios auf die Milch, liess sie unberührt stehen und sagte giftig: „Hättisch-mer-si nitt prücht z’versywä!“ Ohne Z’nacht bezog es ein Nachtlager im Stall, den das Nänni sorgfältig von aussen verriegelte. Als Nänni am nächsten Morgen öffnete, war die Fremde fort und lag die einzige Kuh im Stall tot am Boden. Das hat sich vor wenigen Jahrzehnten ereignet.

Quelle: http://www.top-of-uri.ch/


Die Sage vom Manschettler

Das Gebiet von Gitschenen soll in früheren Zeiten oft von der sagenhaften Gestalt des Manschettlers oder Schimmelreiters heimgesucht worden sein. Auf einem weisen Rosse kam er zur Nachtzeit geritten vom Fruttkäppeli her, nach anderen Varianten zu Fuss von Beroldingen über Bauen und die Bärchi. Der Manschetler ritt durch das ganze Isenthal bis nach Gitschenen hinauf. Der Kopf war durch einen grossen Schlapphut verdeckt. An den Rockärmel glänzten weisse Manschetten. Unter den Hufen des dahinsausenden Pferdes stoben Funken hervor und in den Buchen, an denen er vorbeisprengte, rauschte und knisterte das Laub. In Gitschenen musste für den Reiter stets ein Zimmer bereitgehalten werden. Wenn er ins Bett ging, war sein Husten uns Stöhnen zu hören. Man glaubte, es sei der büssende Geist eines ehemaligen Besitzers von Gitschenen, eines grossen Herrn von Altdorf, nach andern eines reichen Beroldingers. Es sei um Berggut und Alp Gitschenen zu Zeiten furchtbar gezankt und gar oft ungerecht geteilt worden. Eine Frau erzählte " Als ich noch ein Kind war, habe ich den Manschettler oft gesehen, wenn ich bei St. Jakob mit meinen Gespanen Verstecken spielte. Er sass mit vornüber geneigtem Kopf auf der Schwelle der Gadentüre und hatte einen grossen Tellerschinhut auf." Ganz besonders hauste der Manschettler im Bärenwald und im Sonninghorlachen. Im Hause des letztgenannten Berggutes liess er den Leuten keine Ruhe, kam nachts und sennete und hantierte ganz ungeniert, als ob er hier zu Hause wäre. Zuletzt fragten sie jemanden um Rat, der sich auskannte. Dieser riet ihnen, einen Stock mit Eisenspitze in die Stubenwand zu stossen. Das half.

Quelle: Müller Sagen aus Uri

Eine Wanderung auf die Bärchi



Bauen - Hinter Bärchi - Dorf Isenthal - Isleten

Die Wanderung beginnen wir in Bauen beim Parkplatz eingangs des Dorfes. Dem Bach entlang schreiten wir bergwärts, anschliessend zwischen den Häusern hindurch zum Choltalbach. Die Wiesen sind hier länger als anderswo mit Blumen übersäht, und es duftet immer wieder nach Kerbel oder Thymian. Der Weg steigt leicht an zur Oberen Cholrüti. Vom oberen Rand des Harderbandes fällt der Fels mehr als 300 Meter zum See ab. Aber keine Angst der Pfad ist gesichert. Im Zickzack geht es durch den farnbewachsenen grünen Wald zur verlassenen Unteren Bärchi. Es folgen die Liegenschaften Mittlere und Hintere Bärchi. Hier, auf 910 Meter, ist der höchste Punkt erreicht. Auf einem Natursträsschen geht es weiter durch den Bannwald zu dem Dorf lsenthal. Der Talweg führt uns nach lsleten. Die Strasse wird kurz nach dem Dorf verlassen, und man überquert sie nur noch ein einziges Mal. Etwas ausserhalb des Ortes gelangen wir auf einem schönen Wanderweg auf die rechts des Baches gelegene Talseite. Fast geradeaus geht es auf Wiesenwegen hinaus zum grossen Haus Birchi und unter dem altertümlichen, nicht mehr bewohnten Haus Usser Birchi gegen den Saum. Der Name Saum ist wirklich treffend, denn auch hier fällt das felsige Gelände steil und tief zum See ab. Die Felsenflora zeigt sich bei einigen luftigen Aussichtskanzeln: Feuerlilien, Steinnelken, Roter Storchenschnabel und die Felsenbirne sind einige der Raritäten. Beim Chäppeli (es befindet sich etwas abseits unseres Weges) wird die Strasse überquert. Erst nach rechts, dann in kurzen Kurven auf beide Seiten, geht es hinunter gegen das Tobel. In einzelnen Waldausschnitten sieht man hinunter zu den Hauswaben der Sprengstoffabrik. Beim Seerestaurant Isleten befinden wir uns am Seeufer und bei der Postauto-Haltestelle.

Wanderzeit: 3 1/2 Stunden
Quelle: http://www.top-of-uri.ch/_pages/Wandern%20Isenthal.htm


Diese Strecke ist auch eine Variante des "WEG DER SCHWEIZ" und dort folgendermassen beschrieben:

"Zusatzschlaufe Bauen - Isenthal - Isleten
180 Minuten, Höhendifferenz 400 Meter
Wanderzeit: 180 Minuten, Höhendifferenz 400 Meter

Auf- und Abstieg über kühn angelegte Bergwege mit attraktiven Aussichtskanzeln. Dazwischen beschauliche Talwanderung: Auf/Abstiegvariante: Postauto Isleten-Isenthal
Auf der Seestrasse von Bauen aus in Richtung Süden biegt der Weg unmittelbar nach der Cholbachbrücke rechts ab und führt steil hoch durch die Wiesen. Der Weg bietet verschiedene Überraschungen und führt auf Hohlwegen, Schluchttraversen und Waldwegen mit Möglichkeit zu kurzen Verschnaufpausen vorbei an verschiedenen Alpschaften auf den unbewaldeten Geländestufen zur Vorderen Bärchi. Auf dem Rastplatz lohnt sich die herrliche Aussicht zu geniessen. Auf einem angenehm angelegten Forstweg gelangen Sie von da rasch ins Isenthal (Postautoverbindung nach Altdorf und Bergbahn nach Gitschenen).

Vom Isenthal führt der Weg weiter über die Brücke des Isenthaler Bachs auf einem angenehmen Weg zu schönen Bauernhöfen. Dann beginnt der Abstieg. Sie erreichen eine Aussichtskanzel, welche einen atemberaubenden Blick nach Süden frei gibt. In mehreren steilen Kehren gelangen Sie, die Hauptstrasse überquerend, zum Urnersee nach Isleten, von wo die Schiffstation in wenigen Schritten in Richtung Norden am See entlang zu erreichen ist."



"Auf- und Abstieg über kühn angelegte Bergwege mit attraktiven Aussichtskanzeln. Dazwischen beschauliche Talwanderung. Mittagspause auf dem Grillplatz “Vorderen Bärchi” ist ein Muss. Bei so einer schönen Aussicht Mittag zu essen ist einmalig. Bei der Aussichtskanzel “Chäpelli” muss eine Rast eingeplant werden. Eine absolut umwerfende Aussicht auf den Urnersee."
Aus dem Wanderblog von F.Giacomello, Mai 2003

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Umgebung mittlere Bärchi




Die Seilbahn auf die Oberbärchi ist wegen der herrlichen Aussicht unbedingt zu empfehlen.



Ein wilder Garten gibt den Zwergen und Schneewittchen ein Versteck.


Infos zur Seilbahn:
Isenthal, Vordere Bärchi-Obere Bärchi
Vom Dorf Isenthal erreicht man auf einer Naturstrasse in 35 Min. die Talstation Vordere Bärchi. Mit einer romantischen Bahn gelangen Sie auf ein Hochplateau mit einem typischen Berglandwirtschaftsbetrieb. Nebst einem fantastischen Ausblick über den Vierwaldstättersee und den Urner Talboden, haben Sie die Gelegenheit, einen typischen Berglandwirtschaftsbetrieb kennen zu lernen. (Urner Seilbahnführer)

Mittlere Bärchi





Ein Föhnsturm hat den uralten Kirschbaum gespalten.

Merit hat als Kind ihre Bärchi gezeichnet. Das Bild zeigt alles, was ihr wichtig ist.